Deutsche Wein-Jahrgänge 2012–2025: Wetter, Qualität und Kaufempfehlungen
Aktualisiert: 10. Aug.
Deutsche Weinjahrgänge 2012 bis 2025: Welche Jahrgänge lohnen sich wirklich?
Deutsche Weine sind besonders stark vom jeweiligen Jahrgang geprägt. Temperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer und der Zeitpunkt der Ernte beeinflussen nicht nur den Alkoholgehalt und die Säure, sondern auch Frucht, Mineralität, Reife und Lagerfähigkeit.
Dabei gilt eine wichtige Regel: Ein „schlechter“ Jahrgang ist nicht automatisch ein schlechter Wein. Entscheidend ist, welche Rebsorte angebaut wurde, in welcher Region der Weinberg liegt und wie gut der Winzer mit den jeweiligen Bedingungen umgegangen ist.
Gerade deshalb lohnt es sich, einen Jahrgang nicht pauschal zu beurteilen. Ein heißes Jahr kann beispielsweise für Spätburgunder hervorragend sein, während bei manchen Rieslingen Säure und Frische fehlen. In einem kühlen und feuchten Jahr kann es dagegen genau umgekehrt sein.
Im Folgenden zeigen wir für jeden Jahrgang von 2012 bis 2025, welche Rebsorten besonders profitiert haben, welche eher Schwierigkeiten hatten und worauf man beim Kauf achten sollte.
2012 – Warm, sonnig und mit guter Reife
Nach einem eher kühlen Jahresbeginn entwickelte sich 2012 zu einem guten bis sehr guten Weinbaujahr. Der Sommer brachte ausreichend Wärme und vor allem gegen Ende der Vegetationsperiode günstige Bedingungen für die Reife.
Gewinner
Riesling, Grauburgunder und Spätburgunder
Vor allem spät reifende Sorten konnten von der langen Reifephase profitieren. Rieslinge entwickelten eine gute aromatische Tiefe, ohne ihre typische Säure vollständig zu verlieren. Auch Burgundersorten konnten eine schöne Reife erreichen.
Eher problematisch
Früh reifende Sorten konnten teilweise unter dem frühen Vegetationsverlauf leiden.
Bei sehr warmen Phasen besteht grundsätzlich die Gefahr, dass Zucker und Alkohol schneller steigen als die aromatische Reife. Das betrifft insbesondere früh reifende Sorten stärker als Riesling.
Charakter
Saftig, aromatisch und ausgewogen, mit einer guten Verbindung von Frucht und Säure.
Kauftipp
Wer gereifte deutsche Rieslinge sucht, kann bei 2012 interessante Flaschen finden. Besonders Mosel und Rheingau sind spannend. Grauburgunder ist dagegen eher ein Wein zum früheren Genuss.
2013 – Kalt, nass und anspruchsvoll
2013 war für die deutschen Winzer deutlich schwieriger. Die Vegetationsperiode war von kühlen und feuchten Phasen geprägt. Dadurch verzögerte sich die Reife, gleichzeitig stieg der Druck durch Pilzkrankheiten.
Gewinner
Riesling, Spätburgunder und Silvaner aus guten Lagen
Die spät reifenden Sorten konnten bei einer langen Vegetationsperiode von der erhaltenen Säure profitieren. Gute Weinbergsarbeit und eine konsequente Selektion waren allerdings besonders wichtig.
Eher problematisch
Früh reifende und empfindliche Sorten
Bei feuchtem Wetter können Fäulnis und Pilzkrankheiten die Qualität beeinträchtigen. Besonders problematisch waren Weinberge, in denen die Trauben nicht ausreichend gesund bis zur späten Lese gehalten werden konnten.
Charakter
Frisch, säurebetont und eher schlank. Gute Weine wirken präzise und lebendig.
Kauftipp
Bei 2013 sollte man stärker auf den Erzeuger und die Lage achten als auf den Jahrgang allein. Gute Rieslinge und Spätburgunder können heute sehr interessant sein.
2014 – Klassischer, frischer Jahrgang
2014 war ein wechselhaftes Jahr ohne die extreme Hitze späterer Jahrgänge. Die Bedingungen waren anspruchsvoll, führten bei sorgfältiger Arbeit aber zu eleganten und relativ klassischen Weinen.
Gewinner
Riesling, Weißburgunder und Silvaner
Die moderaten Temperaturen halfen dabei, Säure und Alkohol in einem ausgewogenen Verhältnis zu halten.
Eher problematisch
Sehr spät reifende Sorten in ungünstigen Lagen
Wo die Trauben nicht ausreichend ausreifen konnten, blieben Frucht und Körper teilweise hinter besseren Jahrgängen zurück. Besonders bei Rotweinen ist deshalb eine sorgfältige Auswahl wichtig.
Charakter
Frisch, elegant, moderater Alkohol und eine klare Säurestruktur.
Kauftipp
Ein interessanter Jahrgang für Freunde klassischer deutscher Weißweine. Weißburgunder aus Baden oder der Pfalz sowie Riesling sind gute Anlaufstellen.
2015 – Warm, reif und kraftvoll
2015 brachte deutlich wärmere Bedingungen und eine gute Traubenreife. Zucker und Aromatik entwickelten sich gut, gleichzeitig blieb in vielen Regionen genügend Säure erhalten.
Gewinner
Riesling und Spätburgunder
Gerade Spätburgunder profitierte von der guten Reife. Die wärmeren Bedingungen halfen, vollere und aromatischere Rotweine zu erzeugen.
Eher problematisch
Sehr frühe Sorten und überreife Partien
Bei stark erhitzten Standorten konnte die Reife zu schnell voranschreiten. Hier drohten höhere Alkoholwerte und ein Verlust an Frische.
Charakter
Reif, fruchtig, konzentriert und teilweise sehr komplex.
Kauftipp
2015 ist ein guter Jahrgang für deutsche Rieslinge und Spätburgunder. Bei hochwertigen Weinen kann sich die Lagerung besonders lohnen.
2016 – Einer der stärksten Riesling-Jahrgänge
2016 war zunächst schwierig: Der Frühling war kühl und nass, später folgten wärmere und trockenere Bedingungen. Die lange Reifephase erwies sich vor allem für Riesling als Vorteil.
Gewinner
Riesling
Besonders die Mosel, Nahe und der Rheingau brachten sehr elegante und lagerfähige Rieslinge hervor.
Eher problematisch
Früh reifende Sorten in feuchten Lagen
Die Niederschläge zu Beginn der Saison erhöhten den Krankheitsdruck. Wo die Trauben nicht gesund gehalten werden konnten, waren Qualität und Ertrag stärker beeinträchtigt.
Charakter
Klar, mineralisch, präzise und säurebetont. Viele Weine besitzen hervorragendes Alterungspotenzial.
Kauftipp
2016 gehört zu den Jahrgängen, nach denen Riesling-Liebhaber gezielt suchen sollten. Gute Flaschen aus Mosel, Nahe und Rheingau können noch viele Jahre Freude machen.
2017 – Warm, aber mit Frost und Trockenheit
2017 war ein ungewöhnliches Jahr. Einerseits sorgte Wärme für gute Reife, andererseits führten Spätfröste im Frühjahr und später trockene Phasen zu erheblichen Ertragseinbußen.
Gewinner
Spätburgunder und Grauburgunder
Die wärmere Vegetationsperiode kam den Burgundersorten entgegen. Besonders dort, wo die Reben von Frost verschont geblieben waren, konnten sehr gute Qualitäten entstehen.
Eher problematisch
Frostempfindliche Lagen und Sorten
Das große Problem des Jahres war weniger die spätere Reife als der Spätfrost. Viele Weinberge verloren einen erheblichen Teil ihrer Ernte.
Charakter
Kräftiger und fruchtbetonter als kühlere Jahrgänge.
Kauftipp
Bei 2017 lohnt sich die Suche nach Spätburgunder aus Ahr und Baden. Grauburgunder kann ebenfalls sehr attraktiv sein.
2018 – Extrem warm und trocken
2018 markierte einen Wendepunkt in der Wahrnehmung warmer deutscher Jahrgänge. Der Sommer war außergewöhnlich heiß und trocken. Die Trauben erreichten hohe Reifegrade, teilweise verbunden mit kleinen Beeren und hoher Konzentration.
Gewinner
Spätburgunder, Dornfelder und andere rote Sorten
Die Rotweinsorten profitierten besonders von der hohen Reife. Auch kräftige trockene Weißweine konnten hervorragend ausfallen.
Eher problematisch
Sehr alkoholreiche und früh geerntete Weißweine
Bei Riesling und anderen Weißweinsorten konnte die Hitze dazu führen, dass Zucker und Alkohol sehr schnell anstiegen. Gleichzeitig konnte die Säure sinken.
Das bedeutet nicht, dass Riesling 2018 schlecht war – im Gegenteil: gute Erzeuger konnten hervorragende Weine erzeugen. Der Stil ist aber häufig deutlich reifer und opulenter als beispielsweise 2016 oder 2021.
Charakter
Kraftvoll, reif, konzentriert und fruchtbetont, teilweise mit höherem Alkohol.
Kauftipp
2018 ist besonders interessant für Liebhaber kräftiger deutscher Rotweine. Bei Riesling sollte man zwischen opulenten und eher eleganten Auslesen bzw. trockenen Weinen unterscheiden.
2019 – Sehr guter Allround-Jahrgang
2019 kombinierte hohe Reife mit einer vielfach erstaunlich guten Säurestruktur. Die Qualität war insgesamt sehr hoch.
Allerdings gab es erneut Trockenstress und Sonnenbrandschäden. Rekordtemperaturen bis etwa 41 °C im Juli führten regional zu Schäden an den Beeren.
Gewinner
Riesling, Spätburgunder und Silvaner
Riesling konnte Reife und Säure gut verbinden, während Spätburgunder von den warmen Bedingungen profitierte.
Eher problematisch
Stark sonnenexponierte Trauben und sehr trockene Standorte
Sonnenbrand konnte die Beeren schädigen. Außerdem war die Wasserverfügbarkeit in einigen Weinbergen problematisch.
Charakter
Reif, aromatisch, elegant und ausgewogen.
Kauftipp
2019 ist einer der vielseitigsten Jahrgänge der vergangenen Jahre. Sowohl Riesling als auch Spätburgunder können eine sehr gute Wahl sein.
2020 – Warm, trocken und konzentriert
2020 setzte die Serie warmer Jahrgänge fort. Hitze und Trockenheit führten zu kleinen Beeren und hoher aromatischer Konzentration.
Gewinner
Riesling, Spätburgunder und hochwertige Süßweine
Die Kombination aus Reife und Konzentration war für hochwertige Weine sehr interessant.
Eher problematisch
Junge Reben und trockene Standorte
Wo die Wasserversorgung knapp wurde, konnten die Reben unter starkem Trockenstress leiden. Das kann zu kleinen Beeren, reduzierter Saftausbeute und teilweise unausgewogenen Weinen führen.
Charakter
Intensiv, konzentriert und reif.
Kauftipp
Besonders spannend sind hochwertige Rieslinge und Spätburgunder. Bei edelsüßen Weinen können außergewöhnliche Qualitäten zu finden sein.
2021 – Kühl, nass und ein Jahr für Puristen
2021 war das Gegenstück zu 2018–2020. Die Vegetationsperiode war kühl und niederschlagsreich. Die Winzer mussten mit Pilzkrankheiten und teilweise erheblichen Ernteausfällen kämpfen.
Gewinner
Riesling und Spätburgunder aus guten Lagen
Die kühlen Bedingungen bewahrten die Säure. Bei gesunden Trauben und später Lese entstanden sehr präzise und elegante Weine.
Eher problematisch
Früh reifende Sorten und Weinberge mit hohem Krankheitsdruck
Feuchtigkeit und Pilzkrankheiten waren die entscheidenden Probleme. Wer nicht konsequent selektierte, konnte deutlich schwächere Qualitäten produzieren.
Charakter
Frisch, mineralisch, säurebetont und vergleichsweise schlank.
Kauftipp
Wer klassische, kühle deutsche Weinstile liebt, sollte 2021 nicht unterschätzen. Gute Rieslinge und Spätburgunder können sehr interessant sein.
2022 – Heiß und trocken, aber erstaunlich stark
2022 war erneut von Hitze und Trockenheit geprägt. Dennoch konnten viele deutsche Winzer sehr gute Qualitäten erzeugen. Entscheidend war, wo die Reben ausreichend tief wurzeln konnten und wann Regen fiel.
Gewinner
Spätburgunder, Lemberger und andere Rotweine
Besonders die Rotweine profitierten von der hohen Reife. Auch Riesling konnte in guten Lagen sehr gute Ergebnisse liefern.
Eine Besonderheit: In Sachsen führten die schwierigen Bedingungen trotz Hitze und Trockenheit teilweise zu erstaunlich eleganten, frischen Weinen. Auch beim Spätburgunder wurden in Steillagen Spitzenqualitäten erwartet.
Eher problematisch
Junge Reben und flachgründige, trockene Standorte
Dort konnte der Wasserstress erheblich werden. Bei früh geernteten Trauben bestand außerdem die Gefahr hoher Alkoholwerte bei gleichzeitig geringerer Säure.
Charakter
Kraftvoll, reif, konzentriert und fruchtbetont.
Kauftipp
2022 ist besonders interessant für Spätburgunder und andere Rotweine. Eine Blindverkostung hochwertiger deutscher Spätburgunder kam später ebenfalls zu einem außergewöhnlich positiven Urteil über den Jahrgang 2022.
2023 – Spätere Reife und gute Balance
2023 war kein simples „kühles Jahr“, wie man es teilweise lesen kann. Die Vegetationsperiode war von unterschiedlichen Wetterphasen geprägt. Entscheidend war die lange Reifephase, die bei guter Weinbergsarbeit zu aromatischen und ausgewogenen Weinen führte.
Gewinner
Riesling und Spätburgunder
Die später reifenden Sorten konnten von der verlängerten Reife profitieren.
Eher problematisch
Frühe Sorten in sehr warmen Lagen
Wo die Reife zu schnell voranschritt, konnte die Balance zwischen Zucker, Säure und Aroma schwieriger werden.
Charakter
Fruchtig, ausgewogen und mit guter Säurestruktur.
Kauftipp
2023er Rieslinge aus Mosel und Rheingau sind für Liebhaber frischer und präziser Weine interessant. Auch beim Spätburgunder gibt es bereits sehr zugängliche Weine.
2024 – Kein Hitzejahr, sondern ein schwieriges Nass- und Frostjahr
Hier sollte dein ursprünglicher Beitrag unbedingt korrigiert werden.
2024 war nicht warm und trocken wie 2018. Im Gegenteil: Spätfröste im April, viel Niederschlag und ein hoher Krankheitsdruck machten das Jahr für viele Winzer ausgesprochen anspruchsvoll.
Die bundesweite Weinmosternte wurde zunächst auf rund 7,9 Millionen Hektoliter geschätzt und lag damit etwa neun Prozent unter dem Vorjahr. Regional waren die Unterschiede allerdings enorm.
Gewinner
Riesling, Grauburgunder und Chardonnay – vor allem in Regionen, die von den stärksten Frostschäden verschont blieben
An der Ahr beispielsweise schnitten die später gelesenen Sorten Grauburgunder, Chardonnay und Riesling besser ab als der früh reifende Frühburgunder. Beim Spätburgunder waren die Erträge dagegen besonders niedrig.
Eher problematisch
Frühburgunder und frostgefährdete Weinberge
Der Spätfrost traf junge Triebe. Dazu kamen Regen und hoher Infektionsdruck. Besonders in Regionen mit starken Frostschäden waren die Erntemengen teilweise dramatisch niedrig.
Charakter
Fruchtig, frisch, mineralisch und eher leicht. Die moderaten Alkoholwerte können für Freunde eleganter Weine attraktiv sein.
Kauftipp
2024 ist ein Jahr, bei dem man unbedingt auf den einzelnen Erzeuger und die Lage achten sollte. Kleine Mengen können bei guten Betrieben sehr interessante Weine hervorgebracht haben.
2025 – Sehr guter Burgunder- und Rotweinjahrgang
Bei 2025 ist inzwischen eine wesentlich fundiertere Einschätzung möglich als in deinem ursprünglichen Text.
Das Jahr brachte eine außergewöhnlich frühe Lese. Die Trauben waren klein, reif und aromatisch. Besonders Burgundersorten und Rotweine entwickelten sich sehr gut. Das Deutsche Weininstitut bezeichnete 2025 bereits während der Lese als sehr guten Burgunder- und Rotweinjahrgang.
Die endgültige Erntemenge lag bei 7,66 Millionen Hektolitern und damit rund zwölf Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Gleichzeitig wurden die Qualitäten aufgrund der außergewöhnlich hohen Traubenreife als ausgesprochen gut bewertet.
Gewinner
Spätburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay und andere Burgundersorten
Auch Müller-Thurgau profitierte von der Spätsommerwitterung. Die roten Sorten zeigten eine intensive Farbe und ausgeprägte Aromatik.
Eher problematisch
Sehr spät reifende Sorten in Regionen mit frühem Erntebeginn
Die ungewöhnlich schnelle Reife führte dazu, dass viele Sorten nahezu gleichzeitig gelesen werden mussten. Hinzu kamen kleinere Beeren und nach Septemberregen eine notwendige Selektion des Leseguts. Das reduzierte teilweise die Erntemenge.
Beim Riesling lohnt es sich deshalb, noch stärker auf Region, Lage und individuellen Erzeuger zu achten.
Charakter
Konzentriert, aromatisch, fruchtbetont und reif. Gleichzeitig zeigen die Weine eine gute Struktur.
Kauftipp
2025 ist besonders interessant für Spätburgunder und Burgundersorten. Bei hochwertigen Rotweinen und großen Lagen lohnt es sich, die Entwicklung im Auge zu behalten.
Die besten Jahrgänge nach Rebsorte
Eine pauschale Rangliste der besten deutschen Jahrgänge ist wenig sinnvoll. Viel hilfreicher ist die Kombination aus Rebsorte + Jahrgang + Region.
Riesling
Besonders interessant:2015, 2016, 2019, 2021, 2023 und gute 2024er
Für reifere, opulentere Weine:2018, 2020, 2022
Vorsicht bei:sehr heißen Lagen und besonders trockenen Partien der warmen Jahrgänge. Hier kann die Säure niedriger und der Alkohol höher sein.
Spätburgunder
Besonders interessant:2015, 2017, 2019, 2020, 2022 und 2025
Für elegantere, kühlere Stilistik:2013, 2016 und 2021
Gerade die Entwicklung der vergangenen warmen Jahrgänge zeigt, dass Spätburgunder vom Klimawandel in Deutschland teilweise profitiert. Eine aktuelle Verkostung hochwertiger deutscher Pinot Noirs hob insbesondere 2018, 2019, 2020 und vor allem 2022 hervor.
Grauburgunder und Weißburgunder
Besonders interessant:2012, 2014, 2017, 2021, 2024 und 2025
Diese Sorten können sowohl mit Wärme als auch mit kühleren Bedingungen gut umgehen. Entscheidend ist, dass die Reife nicht zu schnell erfolgt und genügend Säure erhalten bleibt.
Silvaner
Besonders interessant:2013, 2016, 2019, 2021 und gute 2023er
Silvaner profitiert von langen Reifeperioden und kann in kühleren Jahren eine besonders schöne Kombination aus Frische, Würze und Mineralität zeigen.
Die wichtigsten Jahrgänge im direkten Vergleich
Deutsche Jahrgänge 2012–2025: Gewinner und Verlierer nach Rebsorte Jahrgang Klima / Hauptproblem 🟢 Gewinner 🔴 Eher benachteiligte Rebsorten Warum? 2012 warm, sonnig, gute Reife Riesling, Grauburgunder, Spätburgunder Müller-Thurgau, Frühburgunder Früh reifende Sorten konnten schnell hohe Zuckerwerte erreichen; bei zu später Lese drohten Alkohol und Säureverlust. 2013 kühl, nass, langsame Reife Riesling, Silvaner, Spätburgunder in guten Lagen Dornfelder, Frühburgunder, Müller-Thurgau Schwierige Reife und hoher Feuchtigkeitsdruck; früh reifende Sorten konnten an Frische und Gesundheit verlieren. 2014 wechselhaft, feucht, später gute Reife Riesling, Weißburgunder, Silvaner Dornfelder, Frühburgunder Rotweinsorten benötigten mehr Wärme und Sonne für vollständige phenolische Reife. 2015 warm, trocken, sehr gute Reife Riesling, Spätburgunder Müller-Thurgau, Bacchus Früh reifende Sorten konnten bei zu später Lese an Säure verlieren und alkoholreicher werden. 2016 zunächst nass/kühl, später trocken Riesling, Silvaner, Spätburgunder Müller-Thurgau, Bacchus Der feuchte Saisonbeginn erhöhte Krankheitsdruck; früh reifende Sorten hatten weniger Vorteil von der langen Reifephase. 2017 warm, aber starker Spätfrost Spätburgunder, Grauburgunder Frühburgunder, Müller-Thurgau in Frostlagen Früher Austrieb machte die Reben besonders anfällig für den Spätfrost. 2018 extrem heiß und trocken Spätburgunder, Dornfelder, kräftiger Riesling Müller-Thurgau, Bacchus, Kerner Frühe Sorten erreichten sehr schnell hohe Zuckerwerte; Säure konnte deutlich abfallen. 2019 warm, trocken, teilweise extrem heiß Riesling, Spätburgunder, Silvaner Müller-Thurgau, Bacchus Frühe Reife plus Hitze erhöhte das Risiko von Säureverlust und Überreife. 2020 heiß, trocken, Trockenstress Riesling, Spätburgunder Müller-Thurgau, Bacchus auf trockenen Standorten Frühe Sorten waren schneller reif; auf trockenen Böden kam zusätzlicher Wasserstress hinzu. 2021 kühl, nass, hoher Pilzdruck Riesling, Spätburgunder bei später Lese Müller-Thurgau, Frühburgunder, Bacchus Feuchtigkeit und Pilzdruck waren problematisch; früh reifende Sorten konnten qualitativ weniger profitieren. 2022 extrem heiß und trocken Spätburgunder, Lemberger, kräftiger Riesling Müller-Thurgau, Bacchus, Kerner Frühe Sorten konnten sehr schnell hohe Mostgewichte erreichen; Hitze und Trockenstress gefährdeten Säure und Frische. 2023 wechselhaft, lange Reifephase Riesling, Spätburgunder Müller-Thurgau, Bacchus in sehr warmen Lagen Frühe Sorten konnten schneller aus dem optimalen Reifefenster laufen. 2024 nass, Spätfrost, hoher Krankheitsdruck Riesling, Grauburgunder, Chardonnay in guten Lagen Frühburgunder, Müller-Thurgau, Spätburgunder in Frostlagen Früher Austrieb machte viele Weinberge frostgefährdet; Nässe erhöhte zusätzlich den Krankheitsdruck. 2025 sehr warm, extrem frühe Reife Spätburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay Riesling in sehr warmen/frühen Lagen Die außergewöhnlich frühe Reife stellte spät reifende Sorten vor Herausforderungen; bei zu schneller Zuckerreife drohten Alkohol und Säureverlust. Was bedeutet „Verlierer“? Die rote Spalte sollte nicht so verstanden werden, dass diese Rebsorten in dem jeweiligen Jahr schlechte Weine hervorgebracht haben. Gemeint ist vielmehr, dass die Witterungsbedingungen für diese Sorten ungünstiger waren und der Winzer stärker gegensteuern musste. Ein gutes Beispiel ist 2018: Das heiße und trockene Jahr war für viele Rotweinsorten ein großer Vorteil. Früh reifende weiße Sorten wie Müller-Thurgau oder Bacchus konnten dagegen schneller zu viel Zucker aufbauen und gleichzeitig Säure verlieren. Ein guter Winzer konnte daraus trotzdem einen sehr guten Wein erzeugen – aber die natürlichen Bedingungen waren weniger günstig. Die wichtigste Faustregel Kühle Jahre:→ Vorteil für Riesling und andere spät reifende Sorten, wenn die Trauben gesund bleiben. Warme Jahre:→ Vorteil für Spätburgunder und andere rote bzw. spät reifende Sorten; bei frühen Weißweinsorten besteht eher die Gefahr von zu viel Alkohol und zu wenig Säure. Nasse Jahre:→ Vorteil für robuste Sorten und gesunde, gut durchlüftete Weinberge; empfindliche Sorten leiden stärker unter Fäulnis und Pilzdruck. Frostjahre:→ Früh austreibende Sorten wie Frühburgunder und Müller-Thurgau sind besonders gefährdet. Trockenjahre:→ Alte Reben und tief wurzelnde Rebstöcke können deutlich im Vorteil sein; junge Reben und flachgründige Weinberge leiden stärker. |
Fazit: Nicht „guter“ oder „schlechter“ Jahrgang – sondern der richtige Wein
Die vergangenen 14 Jahre zeigen eindrucksvoll, dass es bei deutschem Wein immer weniger sinnvoll ist, einen Jahrgang pauschal als gut oder schlecht zu bezeichnen.
Kühle Jahre wie 2016 oder 2021 können fantastische Rieslinge hervorbringen, weil sie Säure und Präzision bewahren. Warme Jahre wie 2018, 2019, 2020 und 2022 sind dagegen besonders interessant für Spätburgunder und andere Rotweine, können aber bei Weißweinen zu höherem Alkohol und weniger Säure führen.
Auch 2024 zeigt, warum der Blick auf den Jahrgang allein nicht ausreicht: Spätfrost und Nässe sorgten regional für enorme Unterschiede, gleichzeitig entstanden bei sorgfältig arbeitenden Betrieben sehr gute, frische Weine.
Und 2025 bestätigt einen weiteren Trend: Die wärmeren Bedingungen kommen insbesondere Burgundersorten und Rotweinen zugute. Die endgültigen Ergebnisse zeigen außergewöhnlich hohe Reifegrade und sehr aromatische, konzentrierte Weine.
Wenn du heute Wein kaufen möchtest, sind diese Kombinationen besonders interessant:
Für eleganten, lagerfähigen Riesling:→ 2016, 2019, 2021, 2023
Für reifen, kraftvollen Riesling:→ 2015, 2018, 2020, 2022
Für Spätburgunder:→ 2015, 2019, 2020, 2022, 2025
Für frische Burgunder:→ 2014, 2021, 2024
Für konzentrierte, moderne Burgunder:→ 2018, 2022, 2025
Wichtig: Innerhalb eines Jahrgangs können Mosel, Rheingau, Pfalz, Baden, Ahr, Nahe und Rheinhessen erheblich voneinander abweichen. Noch wichtiger als der Jahrgang sind deshalb bei hochwertigen Weinen Erzeuger, Lage und Rebsorte.





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